Die «AI Legal & Strategy Consulting AG» hilft Unternehmen nicht nur dabei, KI-bezogene Fragen juristisch zu klären – sondern unterstützt sie auch bei der praktischen Umsetzung dieser wegweisenden Technologie.

Interview mit Prisca und Mauro Quadroni, Gründer der AI Legal & Strategy Consulting AG

Prisca Quadroni, Mauro Quadroni, Sie unterstützen Unternehmen bei der Umsetzung und Implementierung von künstlicher Intelligenz (KI). Wer sind Ihre Kunden?

Prisca Quadroni: Unser Klientel lässt sich in zwei wesentliche Gruppen unterteilen: Die erste besteht aus Unternehmen, die das Thema KI bereits verfolgen und sich nun spezialisieren möchten, um die Technologie in ihrem Betrieb zu implementieren. Dazu zählen wir auch den Bund, mit dem wir projektbezogen zusammenarbeiten. Diese Firmen kommen meist bereits mit konkreten Ideen auf uns zu. Wir verschaffen uns dann einen Überblick über die bereits getroffenen Massnahmen und helfen bei der Ausarbeitung der weiterführenden KI-Strategie. Die Kunden geben danach vor, wie die Umsetzungsarbeit zwischen ihnen und uns aufgeteilt wird – manche verfügen bereits über eine entsprechende Fachabteilung für die Implementierung, andere nicht.

Und die zweite Kunden-Gruppe?

Mauro Quadroni: Diese ist deutlich grösser als die erste und besteht aus Firmen oder Organisationen, die bisher noch kaum Berührungspinkte mit KI hatten. Für sie ist dieses Feld vollkommen neu und nicht selten besteht Skepsis – oder sogar Angst – vor dieser Technologie. Sie möchten vor allem wissen, ob es sich bei künstlicher Intelligenz um einen Hype handelt oder nicht, wer die verschiedenen Anbieter sind – und wie ihr Betrieb von KI profitieren kann. Anders als bei der ersten Kundengruppe, bei der es meist schon um konkrete Anwendungsfälle geht, beginnen wir hier wirklich auf der «grünen Wiese».

Und wie geht die Reise von dort weiter?

Prisca Quadroni: Zuerst klären wir für jeden Betrieb individuell ab, ob er wirklich bereit ist für die Nutzung von künstlicher Intelligenz – und ob das überhaupt nötig ist. Es kann nämlich durchaus sein, dass die Einführung dieser Technologie für ein Unternehmen gar keinen Mehrwert mit sich bringt. Wenn wir aber zum Schluss kommen, dass KI einen Vorteil für eine Firma darstellt, widmen wir uns anschliessend der Frage, mit welcher Strategie die Umsetzung geschehen soll. Zu diesem Zweck nehmen wir ein Assessment vor und begleiten die Zuständigen dann bei der Implementierung, Schritt für Schritt. Zudem sichern wir als Anwälte den gesamten Prozess auch juristisch ab.

Mauro Quadroni: Wir stehen zudem in engem Kontakt mit den KI-Technologieanbietern. Eine zentrale Aufgabe unseres Unternehmens besteht darin, eine Brücke zu schlagen zwischen den hochgradig spezialisierten Providern und den Kunden, die einfach ihre Bedürfnisse abdecken möchten. Unser juristisches Knowhow kommt dabei jeweils beiden Seiten zugute. Viele Leute haben ganz unterschiedliche Vorstellung davon, was künstliche Intelligenz eigentlich bedeutet.

Darum die Frage an Sie: Worum handelt es sich bei KI wirklich?

Mauro Quadroni: Es ist ein sehr breit gefasster Begriff, der schon seit den 1950er-Jahren existiert. Über die Jahrzehnte hinweg hat sich das Verständnis von KI natürlich stetig gewandelt. Als ich beispielsweise noch Student war, wurden Prozesse und Funktionen als Teile künstlicher Intelligenz verstanden, die wir heute in jeder Excel-Tabelle vorfinden. Wir definieren KI pragmatisch als eine maschinelle Tätigkeit, die derjenigen eines Menschen ähnelt. Wichtig ist dabei zu verstehen, dass wir es bei KI mit Werkzeugen zu tun haben – und keine «echte» Intelligenz vorliegt.

Prisca Quadroni: Der Begriff künstliche Intelligenz klingt zwar spannend, erweist sich mittlerweile aber als Hindernis, weil er falsche Erwartungen – und Ängste – weckt. Wir versuchen darum, ein wenig von dieser Bezeichnung wegzukommen und mehr mit Begriffen wie «Deep Learning» oder «Prediction » (Prognose) zu arbeiten. Wie man es aber auch immer nennen möchte, Tatsache bleibt: Die Technologie basiert und benötigt Daten, und zwar manchmal Unmengen davon. Die Maschine wird dann darauf trainiert, diese Daten zu interpretieren und Schlüsse daraus zu ziehen. Diesen Prozess kann lange dauern, bis ein Learning und damit ein Nutzen entsteht.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Mauro Quadroni: Das Prinzip der «Predictive Maintenance» (vorausschauende Wartung) aus der Maschinen-Industrie verdeutlicht das ideal. Eine KI kann zum Beispiel diverse Nutzerdaten einer Fertigungsmaschine auswerten. Durch das Lernen und Trainieren mit diesen Informationen ist sie dann in der Lage, vorauszusagen (to predict), wann das nächste Mal ein Wartungsfall eintritt. Auf diese Weise können Wartungsarbeiten geplant werden, bevor es zum Ausfall der betroffenen Maschine kommt – wodurch sich Produktionseinbussen verhindern lassen.

Wie sind Sie zum Thema KI gekommen und was gab den Ausschlag dafür, Ihr eigenes Unternehmen in diesem Feld zu gründen?

Mauro Quadroni: Wir sind beide Anwälte und in die Legal-Branche jeweils seit mehr als zehn, beziehungsweise 15 Jahre, tätig. Wir verfügen über zwei unterschiedliche Profile, die sich ideal ergänzen. Ich war lange als Finanzmarktrechtberater tätig. In dieser Rolle wurde ich immer mit sehr komplexen Rechtsfragen konfrontiert und war erstaunt über die Flut an Informationen, die man dabei bewältigen musste. Dadurch bin ich mit künstlicher Intelligenz in Berührung gekommen und habe damit angefangen, mich vermehrt mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Prisca Quadroni: Ich war lange als selbstständige Anwältin in Lugano tätig und fokussierte vor allem auf Fragen des Arbeitsrechts. Immer wieder war ich an Projekten beteiligt, bei denen es um die Implementierung neuer Technologien ging. Irgendwann wurde ich dann auch mit Fragen zu künstlicher Intelligenz konfrontiert. Der Ausbruch von Corona und dessen Auswirkungen auf die Wirtschaft, vor allem die Beschleunigung der Digitalisierung, haben dann gezeigt, dass KI wirklich einen Paradigmenwechsel bedeuten kann. Und da wir nicht nur über das technische Verständnis verfügen, sondern auch die KI-relevanten Rechtsfragen sehr gut kennen, fassten wir den Entschluss, die AI Legal & Strategy Consulting AG ins Leben zu rufen.

Mauro Quadroni: Genau. Wir unterstützen Unternehmen einerseits als KI-spezialisierte Rechtsberater und bieten ihnen gleichzeitig an, die Aufgaben eines CTIO (Chief Technology Innovation Officer) an uns auszulagern.

Welche Rechtsfragen gibt es denn betreffend künstlicher Intelligenz?

Prisca Quadroni: Wir können hier vorausschicken, dass der Bund in diesem Bereich sehr aktiv war und diverse Regulierungen erlassen und Leitlinien erarbeitet hat. Nun wird es künftig interessant sein zu sehen, wie der Bund diese in der Praxis anwendet. Wichtig wird es aus unserer Sicht sein, KI-Anwendungen so zu regulieren, dass sichergestellt bleibt, dass der Menschen die Hoheit über die Maschine behält. Zudem werden rechtliche Themen wie Diskriminierung, Sicherheit und Transparenz im Vordergrund stehen.

Mauro Quadroni: Letztendlich wird künstliche Intelligenz sämtliche Rechtsbereiche tangieren. Einen grossen Impact erwarten wir auf das Arbeitsrecht, aber auch auf das Handels- und Medizinrecht. Gerade in der Medizinbranche ist man in Sachen KI schon sehr weit, obschon noch restriktive Vorgaben herrschen, zum Beispiel was die Bilderverarbeitung durch KI angeht. Man wird auch verschiedene Interessen gegeneinander abwägen müssen. So könnte künstliche Intelligenz beispielsweise durch Video-Überwachung zur Unfallprävention in Fabriken beitragen. Dem gegenüber steht aber das Recht auf Datenschutz der Arbeitnehmenden. Grundsätzlich kann man mit KI viel Positives bewirken. Man muss es aber korrekt machen. Und genau das ist unsere Mission.